Eintrag 15: Who the F… is David Nathan?

Bei dem Namen sollte es eigentlich bei den Filmfanatikern unter euch in den Ohren klingeln. Vor allem bei Depp-Fans. Aber auch Bibliophilen könnte der Name bekannt vorkommen… Ist er doch immerhin einer der bekanntesten deutschen Synchronsprecher (sollte meiner Meinung nach ja Synchronisator heißen…) und Hörbuchsprecher.

Geboren in der damaligen DDR durfte er vorerst aufgrund eines Ausreiseantrags seiner Eltern nicht die Schauspielschule besuchen, weshalb er als Maler und Lackierer arbeitete. Im Frühjahr 1989 verließen sie gemeinsam Ostberlin. Er spielte einige Gastrollen, bevor er hauptberuflich als Synchronisator (Ja, ich will das so nennen!) verschiedensten Schauspielern seine Stimme lieh. Seine bekannteste Sprechrolle ist wohl die von Johnny Depp, die er seit Don Juan deMarco 1995 beinahe ausnahmslos übernimmt.

Wie habe ich also zu diesem Namen gefunden? Ganz einfach: Der Mann. Der Mann hört nämlich gerne beim Abwaschen Hörbücher, allen voran Hörbücher von H.P. Lovecraft. Da ich seit einiger Zeit in den Genuss komme, beim Abwasch zu helfen, darf ich mithören. Abgesehen davon, dass ich hin und wieder sehr seltsame Albträume davon bekommen, liebe ich die Art wie die Bücher geschrieben sind. Manche Sachen sind unglaublich witzig, weil ein wenig verwirrend (oder verwirrt?) geschrieben, andere wiederum sind der Sprache nach schon so haarsträubend, dass ich Stunden danach noch darüber nach grüble und so schlecht schlafe. Gelesen jedenfalls, werden diese Bücher größtenteils von David Nathan. Inzwischen spricht jede Figur von H.P. Lovecraft für mich mit dieser Stimme und ich kann mir kaum eine andere Stimme vorstellen, die Lovecraft liest.

Ähnlich wie ich mir Harry Potter nie mehr von jemandem anderen wie Rufus Beck vorstellen kann, aber das ist eine andere Geschichte…

So, das war es für die Feiertage, ich wünsche euch ein frohes Fest und einen guten Rutsch! Man liest sich 2014!

LG
Bekka

PS.: Natürlich kriegt man bei uns auch Hörbücher!

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Weihnachtsspecial! Der 21.12.2012, wie ich ihn meinen Kindern erzählen werde Teil4

Wir fuhren über das Ried Richtung Rohrbach. Das kostete uns zwar mehr Zeit, aber so konnten wir das Zentrum und die Straßenkämpfe vermeiden. Das nächste Haus in der Nähe war das meiner Eltern, eurer Großeltern.  Die Tür war zwar verschlossen, aber auf der Garage hatte irgendwer mit einer Spraydose „Sind im Geschäft“ geschrieben. Wir blieben garnicht erst stehen und fuhren als nächstes zu den Eltern von DFdjh. Auch dort trafen wir niemanden an, nur dieselbe Nachricht wie schon bei meinen Eltern. Die Straßen im Rohrbach waren ungewohnt ruhig, am Rand standen verlassene Autos und die Häuser waren entweder verrammelt oder verlassen. Wir beschlossen, noch bei eurer Urgroßmutter vorbeizusehen, wo auch meine Tante wohnte, die Mutter meines Cousins. Aber auch das Haus war verlassen und wir beschlossen, in die Firma meines Vaters zu fahren. Dort angekommen, erwartete uns etwas Unglaubliches. Euer Großvater hatte einen kleinen Handwerksbetrieb. Zum Parkplatz hin gab es nur 2 Fenster und eine gesicherte Eingangstür. Euer Vater meinte, dass er sich wohl auch dorthin geflüchtet hätte. Um den Eingang hatten sie einen geschweißten Eisenzaun aufgestellt, vor dem, wie wir sehen konnten, einige leblose Schlurfer lagen. Ansonsten war die Gegen wie leergefegt, da es sich um ein Industriegelände handelte. Wir blieben genau vor dem Zaun stehen und DFdjh begann zu hupen, damit die drinnen uns bemerkten. Erst nach ein paar Minuten sahen wir jemanden aus der Tür kommen. Es war der Vater eures Vaters, gleich gefolgt von meinem Vater. Als sie uns erkannten, riefen sie in die Firma hinein und zwei weitere Männer kamen heraus. Es war der Schwager von DFdjh und der beste Freund eures Vaters. Zu viert öffneten sie den Zaun und wir konnten mit dem Geländewagen hinter den Zaun fahren.

Das Willkommen war großartig. Unter Jubel und Tränen wurden wir empfangen und wir konnten sehen, dass die meisten unserer Familie und Freunde sich in der Firma versteckt hatten. Wir wurden umarmt und geküsst, meine Schwester wollte mich garnicht mehr los lassen.

Die Werkstatt war nicht mehr wieder zu erkennen. Das Büro, der einzige Bereich der Firma, das Fenster hatte, war komplett verriegelt und die Maschinen und Arbeitstische waren an den Rand geschoben worden und verstellten so alle Türen, die in die Haupthalle führten, bis auf eine. Im hinteren Bereich, wo die Toiletten waren war die Tür nicht verstellt. Decken, Polster, Stoffbahnen und waren zu einem provisorischen Lager gezimmert. In der Nebenhalle konnte ich sehen, dass eine Metalltonne mit Holz gefüllt war und ein Feuer darin brannte. Dahinter stapelten sich Kanister, die offenbar mit Wasser gefüllt waren. Alles in allem zählte ich etwa 40 Leute, die sich hier versammelt hatten um das Ende der Welt zu überleben.

Eine war nicht zur großen Begrüssung gekommen. Weiter hinten auf einem bequemen Bürostuhl saß eure Urgroßmutter und lächelte uns zu. In diesem Moment wusste ich, das schlimmste war überstanden. Wir waren zu Hause.

 

Euer Großvater, also mein Vater erzählte, dass sie daheim im Fernsehen sahen, was passiert war. Er hatte sofort alle zusammen getrommelt, meine Schwester und mein Bruder mit seinem Freund waren bereits bei ihnen und mein Vater packte alles was ihm wichtig erschien in das Auto. Dann fuhr er zum Haus eurer Urgroßmutter und nahm alle Verwandten, die dort waren mit ins Geschäft. In der Firma hatten sie sich dann mit den anderen getroffen. Die Eltern eures Vaters, die Familie von DFdjh und auch meine beste Freundin samt ihrem Sohn. Alle waren in der Werkstatt und packten mit an, während der Schwager von DFdjh und mein Vater den Zaun aus Metallteilen zusammenschweißten. Vor der Tür standen der beste Freund eures Vaters und ein paar andere der Männer samt der Schwester von DFdjh und bewachten mit Werkzeugen den Eingang. Die Frauen kümmerten sich größtenteils darum, die Werkstatt bewohnbar zu machen und versorgten die Kinder.

Meine beste Freundin hatte vielleicht das größte Abenteuer hinter sich. Mit ihrem zweijährigen Sohn auf dem Schoß war sie auf einem Motorrad zu ihrer Mutter und von dort in die Firma gefahren. Sie hatte nicht viel dabei außer der Kleidung, die sie am vorherigen Abend getragen hatte. Mit ihrem Sohn auf dem Arm erzählte sie mir, wie es in ihrem Wohnhaus zugegangen war. Die Zombies waren bis zu ihrer Wohnung vorgedrungen und sie hatte sich mit zusammengebundenen Laken vom Balkon abgeseilt. Dann hatte sie mit einem Nudelholz zwei Schlurfer erledigt und hatte dann ein Motorrad gestohlen. Es war das erste, was ihr eingefallen war, wie sie mir sagte. Ich starrte sie voller Bewunderung an, sie hatte gekämpft wie eine Tigerin.

Die Eltern eures Vaters hatten viel zu spät bemerkt, was draußen vorgegangen war. Sie wurden von eurer Tante und deren Freund geweckt, die noch unterwegs gewesen waren. Als sie nach Hause kamen, konnten sie schon sehen, wie sich die Straße mit Untoten füllte und sie trommelten sofort alle wach. Während sie noch versuchten das Haus sicher zu machen, brachen die Zombies durch das Tenn ins Haus durch. Ihnen blieb nur die Flucht auf den Dachboden. Dort saßen sie fest, bis das Bundesheer gekommen war um die Straße zu räumen. Dann stiegen sie in einer Ruhepause ins Auto. Auf dem Weg zur Firma sammelten sie die Familie des besten Freundes eures Vaters auf und mit vollgepacktem Wagen erreichten sie den sicheren Hafen.

Die Familie von DFdjh hatte sich fast gleich nach meinen Eltern auf den Weg in die Firma gemacht, gleich nachdem mein Vater sie angerufen hatte. Sie waren noch vor dem großen Ansturm in der Firma gewesen.

 

So hatten sich über 40 Leute im Geschäft meines Vaters versammelt, die es geschafft hatten, den 21.12.2012 zu überleben. Gegenüber der Firma war ein Lebensmitteldiskounter, also war unser Lebensmittelvorrat für die nächsten Tage gesichert und der Parkplatz davor war übersichtlich. Auf das Dach hatten sie mit Spraydosen riesengroß „SURVIVORS HELP“ geschrieben und vom Dach herunter hatten sie ein weißes Leintuch mit demselben Text gehängt.

Dort, wo die Toiletten waren hatten sie Lebensmittel, die sie sich schon geholt hatten in einer halsbrecherischen Aktion. Die Schwester von DFdjh hatte aus ihrem Auto das Funkgerät ausgebaut und sie versuchten damit ein Signal zu bekommen. Mein Bruder saß währenddessen am Radio und versuchte etwas anderes als die Notfallmeldung rein zu bekommen, aber bisher war er genauso erfolgreich gewesen wie ich. Über dem Feuer kochte Wasser für Tee, denn die Tonne wärmte die riesige Halle nur wenig. Es war halb drei am Nachmittag und ich merkte, wie müde und ausgelaugt ich war. Vor allem aber war ich hungrig. Meine beste Freundin bot mir einen Wurstsemmel an, den ich dankend annahm. DFdjh war inzwischen auf einer provisorischen Matraze eingeschlafen und euer Vater saß bei seiner Familie und aß ebenfalls. Mein Cousin erzählte einer Gruppe von Freunden die Geschichte unserer Reise.

Wir hatten es geschafft. Wir hatten 800 Kilometer zurückgelegt um bei unseren Familien zu sein und nun waren wir da. Und alle waren wohlauf. Es war unglaublich.

Wir verbrachten zwei Wochen in der Firma. Wir wuschen uns mit geschmolzenem Schnee und ernährten uns von den Vorräten, die wir aus dem Lebensmitteldiscounter hatten. Als diese erschöpft waren, plünderten wir eine Firma um die Ecke, die Suppen- und Saucenpulver fabrizierten. Nach einer Woche hielt ein Militärwagen vor der Tür. Ein Leutnant flankiert von zwei jungen Soldaten betrat das Geschäft, lobte unsere Überlebensfähigkeiten und bat uns, noch ein wenig länger auszuharren, bis die Stadt gesäubert war.

Wir unterhielten uns viel und erzählten uns Geschichten. Unsere Gruppe war nicht immer harmonisch und hin und wieder gab es auch Streit, aber meistens hielten wir zusammen.

Danach war die Welt nicht mehr dieselbe, denn natürlich war es nicht so einfach für das Bundesheer, der Situation Herr zu werden. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal.

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Weihnachtsspecial! Der 21.12.2012, wie ich ihn meinen Kindern erzählen werde Teil3

Ich erwachte, als wir anhielten. Laut der Anzeige im Wagen hatte ich nur eine halbe Stunde geschlafen. Fragend sah ich die Jungs an. Wir befanden uns auf einer dunklen Landstraße. In der Ferne konnte ich die Berge sehen, die sich in der Nacht abzeichneten. Ein wenig Schnee war gefallen und hatte die Wiesen angezuckert. Noch bevor ich fragen konnte, warum wir gestoppt hatten, wurde die hintere Tür aufgerissen. Alamiert drehte ich mich um, doch mein Cousin grinste nur. „Danke fürs mitnehmen, Leute. Meine Fusssohlen bringen mich um und es ist arschkalt hier dr…“ Der Autostopper hielt im Satz inne, als er uns erkannte. „WTF? Was macht ihr denn hier?“ Euer Vater und mein Cousin lachten. Und ich lachte mit, während wir beobachteten, wie unser Freund aus Linz verblüfft in das Auto stieg und es sich auf dem freien Rücksitz gemütlich machte. Wir lachten Tränen und konnten uns nicht mehr beruhigen. Es war halb sechs in der Früh, wir saßen in einem Geländewagen  irgendwo in Oberösterreich mitten in der Wildnis und lachten, während die Welt unterging.

 

Als wir uns wieder gefangen hatten tauschten mein Cousin und euer Vater die Plätze, damit er auch ein wenig ausruhen konnte und die Fahrt Richtung Westen ging weiter. Wir umfuhren Dörfer und Städte und stießen nur selten auf Schlurfer. „Der-Freund-den-jeder-hat“ („DFdjh“) lies sich von mir die Geschichte unserer Reise erzählen und staunte nicht schlecht, als ich ihm von der Geschichte im Hotel erzählte. „Hätte nicht gedacht, dass du so feige bist…“ Ich zuckte mit den Schultern. „Muss mein Hasenfußinstinkt gewesen sein. Ich wäre jetzt wahrscheinlich nicht hier, wäre ich bei den Gästen geblieben…“ Ivy und Rod waren inzwischen aus ihrem Nest gekrabbelt und liesen sich von DFdjh streicheln. Sie genossen offenbar die Fahrt. „Du hast eh recht… Bei uns in Linz war es auch krass, obwohl ich kaum Zombies gesehen habe. Ich saß vorm Computer, als auf einmal die Meldungen im Facebook einheitlich auf ‚Zombiekalypse‘ sprangen und dann hab ich den Fernseher eingeschalten. Die Berichte waren unglaublich! Also hab ich mir meinen Rucksack geschnappt und mir gedacht: Ich geh dann mal Richtung Westen.“ Ich sah mir seinen Rucksack an. Ein Trecker-Modell der bis zum Platzen gefüllt war mit einer Wasserflasche an jeder Seite. „Ein paar Sachen, DFdjh? Hast du deinen ganzen Schrankinhalt dabei?“ Er grinste. „Nein, nur Dosenfutter, Streichhölzer, Messer, Medipack, Solarlader und eine Isodecke…“ Dann zeigte er auf eine Metallstange an der Seite des Rucksacks. „Und den Kuhfuß als Waffe natürlich.“ Dann lehnte er sich zurück. „Hast du den benutzt?“ fragte ich. Euer Vater döste daneben, er war offensichtlich müder, wie ich gedacht hatte. „Nein, dazu kam es nicht. Ich bin den Zombies ausgewichen, wo es ging.“ Ich setzte mich wieder gerade in den Sitz und versuchte wieder einen funktionierenden Radiosender zu finden. Offenbar gab es ein Notfallnetzwerk, denn alle Sender brachten dieselbe Nachricht. „Gehen Sie nicht nach draußen, verbarikadieren Sie die Türen. Das Bundesheer ist dabei, die Sache zu klären. Notfallstationen sind eingerichtet in: Wien, Heldenplatz. Linz, Chemie Linz. Innsbruck, Olympiadorf. Bludesch, Kaserne. Bitte versuchen sie nur im schlimmsten Fall, eine dieser Stationen zu erreichen. Ansonsten gehen Sie nicht nach draußen. Teilen Sie sich ihre Vorräte ein und füllen Sie Behältnisse mit Wasser. Das Bundesheer warnt vor einer bevorstehenden Trinkwasserknappheit. Bitte nehmen Sie Abstand von Plünderungen und bewahren Sie Ruhe. Die Situation wird geklärt werden.“ Ich schaltete das Radio wieder aus. Neuigkeiten gab es keine.

 

Wir erreichten bald die deutsche Grenze. Wir wollten südlich von München weiter nach Hause fahren um Zeit zu sparen, anstatt durch die Salzburger und Tiroler Berge zu fahren, was sehr viel Zeit gekostet hätte. An der Grenze wurden wir von einem Militärposten aufgehalten. „Wohin wollen Sie?“ wollte ein junger Soldat mit Helm und Maschinengewehr von uns wissen. „Wir fahren nach Vorarlberg um bei unseren Familien zu sein,“ antwortete mein Cousin. In einem Dorf, das wir passierten hatte ich Schüsse gehört, also musste der Befall in dieser Ecke des Landes schlimm sein. Dementsprechend nervös wirkte der junge Mann, der vor uns stand. „Wieso halten Sie sich nicht an die Ausgangssperre?“ Ich beugte mich zum Fahrerfenster. „Hör zu, Junge, wir wollen nur nach Hause zu unseren Eltern und unseren Geschwistern. Die Welt ist gestern untergegangen und wir wollen wissen, ob sie noch leben. Anstatt hier zu stehen und unsere Fahrt zu blockieren, solltest du lieber selbst herausfinden, wie es um deine Lieben steht. Da draußen randalieren die Untoten und alles was wir wollen ist dort zu sein, wo wir zu Hause sind. Dort, wo wir hin gehören, wenn die Welt untergeht: zu Hause. Und jetzt lass uns weiterfahren oder ich lass mir einfallen, wofür ich die Machete eingepackt habe.“ Er tat mir leid, aber die Nacht war lang gewesen und ich war erschöpft und hatte keinen Kaffee. Während ich geredet hatte, war der Soldat ein paar Schritte zurückgegangen und winkte uns durch. Ich ließ mich zurück in den Sitz fallen. Hinter mir applaudierten euer Vater und DFdjh. „Schatz, du wirst vielleicht nicht mit Zombies fertig, aber dem hast du es so richtig gegeben,“ lobte mich euer Vater. Ich drehte mich um und lächelte ihn an. Dann döste ich wieder ein. Die Nacht war wirklich lang gewesen.

 

Ich erwachte, als euer Vater mich weckte. Wir hatten irgendwo bei einer verlassenen Tankstelle halt gemacht um den Geländewagen zu tanken und beschlossen, im leeren Tankstellenshop nach Lebensmitteln zu suchen. Mit Küchenmessern und Eisenstangen stiegen wir aus und während mein Cousin das Auto betankte, gingen DFdjh, euer Vater und ich auf den Laden zu. Die Glastür war zerschlagen und wir rechneten fast damit, drinnen Schlurfende zu finden. DFdjh hatte eine Taschenlampe eingeschalten und leuchtete in Innere. Es war totenstill, doch das musste nichts bedeuten. Vorsichtig betraten wir den Verkaufsraum und ich zog eine Straßenkarte der Umgebung aus einem Ständer. Bisher hatten wir uns mit Straßenschildern orientiert, doch es würde sicher schwerer werden. Plötzlich hörten wir im hinteren Teil des Ladens etwas zu Boden fallen und DFdjh leuchtete in Richtung des Geräuschs. Es war ein Kind. Seine Haut war blass und ihr Schädel war zur Hälfte aufgebrochen. Hautfetzen hingen von der offenen Wunde. Ihr Mund war aufgesperrt und mit weißen Augen starrte sie in das Licht wie ein Reh. Ich zuckte zusammen und suchte hinter eurem Vater Schutz. DFdjh schritt auf sie zu. „Das wird jetzt mir mehr weh tun als dir,“ sagte er und holte mit der Eisenstange aus. Mit einem klatschenden Geräusch zerschellte ihr Kopf und ich drehte mich weg. Am Liebsten hätte ich erbrochen, doch ich riss mich zusammen und ging zurück zum Auto. „Jungs, es wird hier noch mehr von den Dinger geben, wir sollten gleich fahren!“ rief ich zurück und sah die beiden schon aus dem Laden stürtzen. Keine Minute später saßen wir alle wieder im Wagen und fuhren weiter. Wir saßen zu dritt auf der Rückbank und mein Cousin steuerte den Geländewagen. Die Frettchen hatten sich wieder in ihr Nest zurückgezogen und schnarchten vor sich hin. Ich beschloss, ihnen so bald wie möglich etwas Wasser und Futter zu geben. In all dem Trubel hatte ich das vollkommen vergessen. Ohne es zu merken, hielt ich die Hand eures Vaters ergriffen und hielt sie umklammert. Er streichelte meinen Arm und ich legte den Kopf auf seine Schulter. „Ich fasse es nicht, ich hab sie erschlagen…“ murmelte DFdjh vor sich hin. „Einfach so erschlagen. Mitten in den Kopf. Einfach so…“ Ich legte meine freie Hand auf seinen Arm. „Sie oder wir, und wir find ich besser.“ Dann grinste ich ihn an und wir schwiegen wieder.

 

„Wir werden über Lindau und Bregenz nicht hineinkommen…“ Unterbrach nach einer guten halben Stunde mein Cousin die Stille. „Wie meinst du das?“ wollte ich wissen. Die Augen noch immer auf die Straße gerichtet erklärte er: „Naja, wir müssten durch den Pfändertunnel oder am See entlang. Und ich schätze, die beiden Straßen werden voller Autos sein, das sind sie ja immer…“ DFdjh nickte. „Stimmt, auf denen werden wir nicht durchkommen… Wir brauchen eine Umfahrung…“ Ich erinnerte mich an die Straßenkarte, unsere einzige Beute aus der Tankstelle, abgesehen vom Benzin. Ich breitete sie auf unseren Schenkeln aus und wir beugten uns über den Plan. „Wir haben Waltenhofen passiert, also sind wir ungefähr hier, vor Röthenbach…“ Euer Vater deutete auf den Plan. Vor uns konnten wir das kleine Dorf erkennen. „Wenn wir uns jetzt südlich halten, sind wir in ungefähr zwei Stunden zu Hause!“ meinte DFdjh. Uns war beinahe danach zu jubeln. Wir fuhren also weiter Richtung Hinterschweinhöf und erreichten bald Sulzberg. Es war jetzt kurz vor elf und an jedem normalen Samstag im Bregenzer Wald wären Leute unterwegs gewesen. Hier aber war alles ausgestorben. Die Menschen mussten Hals über Kopf geflüchtet sein und hatten ihre Häuser größtenteils offen stehen gelassen. Der Schnee lag hier in einer dicken weißen Decke und die Straßen waren nicht geräumt. DFdjh hatte den Fahrdienst übernommen und mein Cousin hatte sich auf den Beifahrersitz gesetzt. In meinem Schoß frassen Ivy und Rod an einer Tomate, während der Blick eures Vaters immer besorgter wurde. „Was ist, wenn unseren Eltern was passiert ist?“ Ich bemerkte, dass er zitterte. Der nächtliche Kampf ums Überleben forderte langsam seinen Tribut. „Schatz, ich glaube, dass sie alle wohlauf sind, okay? Wahrscheinlich haben sie sich in der Firma meines Vaters verbunkert und warten darauf, dass wir nach kommen…“ Er schien sich nur leicht zu entspannen. „Wir werden es nicht wissen, bevor wir da sind,“ antwortete er und starrte aus dem Fenster.

 

Es begann zu schneien. Jedes Dorf, dass wir passierten bot den gleichen Anblick. „Wo sind nur all die Menschen?“ fragte mein Cousin die Landschaft und ich folgte seinem Blick hinaus. Wir waren gerade durch das verlassene Egg gefahren und ich fragte mich im Stillen, wie viele wohl unter der Lingenauer Brücke lagen. Angesichts der Umstände vielleicht zu viele. Aber Schlurfende sahen wir keine. Nicht einen. Ich wussste nicht, warum wir keine Sahen, erwartete aber das Schlimmste, wenn wir die Stadt erreichen würden.

In Schwarzenberg sahen wir die ersten Menschen. Wir kurbelten nur die Fenster hinunter um mit einem Mann zu reden, der vom obersten Fenster seines Hauses Ausschau gehalten hatte. „Woher kommt ihr denn?“ wollte er wissen. „Wir kommen aus Wien. Wir sind schon seit gestern Nacht unterwegs…“ Als ich nachrechnete, stellte ich fest, dass wir für den Weg über zehn Stunden gebraucht hatten, aber durch die vielen Umwege, die wir gemacht hatten, war das nur verständlich. „Das ist eine ordentliche Strecke. Wie ist die Situation im Osten?“ DFdjH sprach mit dem Mann, während wir uns vom Auto aus die Umgebung beobachteten. „Schlechter als hier, offensichtlich. Wo sind all die Menschen?“

„Du meinst die Leichen? Die sind weitergezogen, als sie nichts mehr zu fressen fanden. Ich und meine Familie haben alles verrammelt und und leise verhalten. Sie haben uns nicht gesehen. Es sah so aus, als zogen sie alle Richtung Stadt. Offenbar sind sie sehr hungrig… Wisst ihr was für Dinger das sind?“

„Nein. Aber sie sind wie Zombies. Die aus den Filmen, Sie wissen schon…“

„Eigentlich ist es mir egal, wie die Dinger heißen. Ich weiß nur, dass sie weg müssen. Alle.“

Damit verschwand der Mann wieder in seinem Haus und schloss das Fenster. Wir fuhren weiter.

 

Als wir Watzenegg passierten, konnten wir zum ersten Mal einen Blick auf unsere Heimatstadt werfen. Von unserem Aussichtspunkt aus wirkte sie ebenso verlassen wie die Dörfer zuvor. Doch je näher wir kamen, desto mehr Details konnten wir erkennen und wir sahen Soldaten, die in den Straßen auf Schlurfer schossen. Wie in Wien fuhren sie mit Geländewagen umher und versuchten den Horden Herr zu werden. So schnell wie es angesichts der Situation möglich war, steuerte DFdjh als erstes auf das Haus eurer Großeltern im Hatlerdorf zu, weil es am nächsten lag. Als wir dort ankamen blieb uns allen der Mund offen stehen. Das Haus war leer. Das Tenn stand offen und die Eingangstür war zerschlagen. Euer Vater und ich eilten die Treppe zur Wohnung eurer Großeltern hinauf, doch auch dort fanden wir nur eine offene Tür und die zerstörte Wohnung. Dann weinten wir. Arm in Arm standen wir in der bekannten Wohnung, von der nun nur noch ein Trümmerhaufen übrig geblieben war. Dann sah ich mich um. An der Tafel, auf die eure Großmutter immer Notizen zu Einkäufen machte stand eine Nachricht. „Fuhren in den Rohrbach. Treffen euch dort.“ Erst jetzt bemerkten wir, dass das Auto eurer Großeltern nicht mehr da war. Überglücklich stürzten wir zu den anderen zurück und machten uns auf, die anderen zu Treffen.

Wir wussten noch nicht, was wir dort finden würden. Doch es war eine große Überraschung für uns.

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Weihnachtsspecial! Der 21.12.2012, wie ich ihn meinen Kindern erzählen werde Teil2

Da saß ich nun und machte mir Sorgen, während draußen die Hölle tobte. Ich weiß nicht, wie lange ich in dem kleinen, vollgestellten Büro saß. Mit dem Rücken an die Tür gelehnt starrte ich auf das gegenüberliegende Regal, in dem eine Riesenpackung Mannerschnitten stand. „Wenigstens werde ich nicht so schnell verhungern…“ dachte ich noch bei mir. Auf einmal läutete mein Handy. Es war eure Großmutter, der Empfang war sehr schecht. Sie stammelte nur, dass sie und Großvater in Sicherheit sind und dass wir so schnell es geht nach Hause kommen sollten. Aber sie meinte auch, wenn es nicht geht, sollten wir uns besser an einem sicheren Ort verstecken, bis alles vorbei ist. Sie weinte und ich weinte auch, versuchte ihr zu erklären, was gerade im Hotel passierte und dass ich nicht wusste, wie es eurem Vater ging. Wir wussten nicht, ob wir uns jemals wieder sehen würden.

Damals war die ganze Welt verzweifelt, keiner wusste, warum die Zombies aus den Gräbern gestiegen waren und noch heute gibt es wilde Theorien darüber. Einige glauben, es war eine Art göttlicher Rache, andere vermuten Mutter Natur dahinter. Ich weiß es bis heute nicht und es ist mir auch egal. Ihr könnt euch das heute nicht mehr vorstellen, aber als ich damals im Büro meines Chefs darauf wartete, gerettet oder gefressen zu werden, war ich davon überzeugt, dass die Welt untergegangen war. Nichts machte mehr Sinn und alles, was ich mir wünschte war zusammen mit eurem Vater auf der Couch zu sitzen und zu reden. Ich dachte an all die Dinge, die wir noch unternehmen wollten, die Länder, die wir noch besuchen wollten und die Abenteuer, die wir noch erleben wollten. Es waren einige Minuten oder Stunden vergangen, doch plötzlich hörte ich Schüsse. Irgendwer schoss auf die Zombies. Unter Tränen richtete ich mich auf und sah aus dem Fenster. Die Gasse war übersäht mit vermoderten Körpern. Mit Geländewagen (euer Vater hätte sicher gewusst, was für welche es waren) rollte das Bundesheer über die Leichen und von der Ladefläche aus schossen Männer auf die Schlurfer. Ich begann an das Fenster zu klopfen, damit sie mich sehen würden, aber der Lärm draußen war so laut, dass sie mich nicht bemerkten. Ich beobachtete, wie sie eine Truppe ins Hotel schickten und ich konnte hören, wie Schüsse in der Lobby fielen. Noch immer traute ich mich nicht, die Tür zu öffnen und blieb am Fenster stehen, in der Hoffnung, einer der Soldaten würde mich sehen. Doch keiner blickte auch nur in meine Richtung. Aber etwas anderes geschah: Mit der stumpfen Dekomachete aus unserer Wohnung bewaffnet und mit schweißnassem Haar sah ich euren Vater auf das Hotel zulaufen. Er winkte den Soldaten und rief ihnen etwas zu, doch ich konnte es nicht hören. Ich begann fester und fester an das Fenster zu trommeln, vielleicht würde er mich sehen. Sein Blick wanderte über die leblosen Körper in der Gasse, dann zur Hoteltür und schließlich auf das Fenster, hinter dem ich auf ihn gewartet hatte. In diesem Moment war euer Vater für mich der Ritter in der glänzenden Rüstung, auch wenn er in Jeans und dunkelblauem Mantel nicht danach aussah. Die Soldaten sagten etwas zu ihm und keine Minute später holte er mich aus dem Büro. Ich lies den Schlüssel in der Türe stecken, niemand würde ihn je wieder brauchen, dann plünderten wir die Kassa. Euer Vater hatte einen Rucksack dabei, ob das Geld uns etwas nützen würde wussten wir nicht. Wir nahmen auch Lebensmittel aus der Küche mit und steckten die Messer ein. Alles, was uns im Geringsten nützlich erschien und tragbar war nahmen wir mit.

„Was machen wir jetzt?“ wollte ich von eurem Vater wissen. „Wir fahren nach Hause. Die wenigen, die ich erreicht habe, meinten, in Vorarlberg ist es nicht so schlimm wie hier.“ Ich nickte. „Wieso bist du nicht in der Wohnung geblieben?“

„Ich wollte nicht tatenlos herumsitzen, während du in der Hölle sitzt, mein Schatz.“ Dann küsste er mich auf die Stirn. In seinem Mantel raschelte es. „Außerdem, was mach ich mit den beiden, wenn du nicht mehr da bist?“ Aus den Ärmeln guckte je ein Frettchen. Er hatte Ivy und Rod nicht zurückgelassen und sie hatten sich offensichtlich gut in seinem Mantel eingerichtet. „Ich habe noch ein paar Bücher und Kleidung in einer Tasche nicht weit von hier versteckt. Ich wollte nicht alles mit mir herumtragen, wenn ich dich vor den Zombiehorden rette.“

Zusammen holten wir die Tasche und beschlossen, an ein Auto zu kommen. Zwar hatten wir in vielen Filmen gesehen, wie Leute Wagen kurzschlossen, aber ausprobiert hatten wir es natürlich noch nie. Mussten wir auch nicht: Einer dieser Großstadtgeländewagen stand mit offener Tür am Straßenrand. Der Besitzer war wohl wie wir von den tobenden Zombies überrascht worden, doch hatte er nicht so viel Glück gehabt wie ich und euer Vater. Der Schlüssel steckte noch und die Tanknadel stand auf voll. Da ich zu dem Zeitpunkt beinahe ein Jahr nicht mehr gefahren war, schwang sich der damalige LAP hinter das Steuer und ich setzte mich mit unseren wenigen Habseligkeiten und Ivy und Rod auf dem Schoß neben ihn. Die beiden Frettchen hielten so still wie sonst nie und schnüffelten angespannt herum. Ich streichelte ihnen beruhigend durchs Fell, während euer Vater den Wagen durch die Stadt jagte.

Das Wetter war feucht und die Straßen waren verlassen und wenn nicht Schlurfer zu sehen waren, dann das Militär. Wir fuhren komplizierter als nötig, da die großen Straßen alle von Flüchtenden verstopft waren. Glücklicherweise hielt der Geländewagen was er versprach und wir konnten unsere Reise gen Westen durch den Schönbrunner Schlosspark abkürzen um die Staus zu umfahren. Wir redeten kaum miteinander und ich versuchte im Radio eine Station zu finden, die noch sendete um zu erfahren, was außerhalb unserer Flucht geschah. Zum Großteil fand ich nur gebrabbelte Nachrichten und panische Schreie im Radio außer auf der Ö3 Station. Offenbar hatte der Moderator sich in seinem Studio verbarikadiert und redete darüber, dass keiner die Wohnung verlassen sollte und das Militär sich um das Problem kümmert. Er wiederholte die Nachricht immer und immer wieder und wünschte allen viel Glück und Durchhaltevermögen. Nach einer halben Stunde drehte ich das Radio ab. Ivy und Rod hatten sich inzwischen zusammengerollt und waren eingeschlafen und euer Vater steuerte mit konzentriertem Blick durch die Landstraßen. Hin und wieder sahen wir Zombies über Wiesen ziehen und einmal überfuhren wir einen. Einfach so. Ich glaube nicht, dass er einmal vom Gas ging. Fast drei Stunden später kamen wir an Hagenberg vorbei. Mein Cousin studierte dort an der Fachhochschule und wir beschlossen, ihn zu finden und mit zu nehmen, sollte es noch möglich sein.

Wir sperrten Ivy und Rod mit unseren Sachen im Auto ein gingen bewaffnet mit der stumpfen Machete und Küchenmessern auf das Wohnheim der FH zu. Mit dem Handy versuchte ich ihn zu erreichen, doch ich kam nicht durch. Wieder und wieder wählte ich seine Nummer, doch das Netz war tot. Das weiße Gebäude lag verdächtig still vor uns. Wir wussten nicht, in welchem Teil des Gebäudes mein Cousin lebte also gingen wir zur erst besten Tür und versuchten sie zu öffnen. Sie war verschlossen und dahinter war eine Barrikade aus Stühlen, Betten und Tischen gebaut. Wir klopften an die Tür und riefen seinen Namen, dann öffnete sich ein Fenster im ersten Stock. Ein blondes Mädchen sah zu uns herunter. „Wenn sucht ihr?“ wollte sie wissen und wir sagten es ihr. Sie verschwand wieder im Inneren des Gebäudes und kurze Zeit später stand mein Cousin am Fenster. „Was macht ihr denn hier?“ Ich war überglücklich, ihn gesund und munter zu sehen. „Wir holen dich ab. Fahr mit uns nach Vorarlberg.“ Er nickte und verschwand wieder und kam aus einer anderen Tür zu uns herüber. „Wir haben es nur im Radio gehört und uns gleich verbarikadiert. Gesehen habe ich noch keine. Ihr?“ Ich umarmte ihn. „Glaub mir, wir haben genug gesehen für uns alle drei.“ Mein Cousin hatte eine Metallstange dabei und ein Messer am Gürtel. Wie es nicht anders sein konnte, trug er eine Camouflage-Hose und ein olivgrünes T-Shirt, sowie eine dicke, blaue Jacke. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich noch immer im Sakko unterwegs war, mit dem ich im Hotel gearbeitet hatte. Es war jetzt halb vier in der Nacht und mich fröstelte, also gingen wir zum Auto zurück. Im Wagen erzählte ich ihm die ganze Geschichte und er nickte schweigend. „Sollen wir noch „Den-Freund-den-jeder-hat“ aus Linz holen?“ fragte er, als ich zu Ende geredet hatte. Ein Freund von uns studierte dort und es war nicht weit von Hagenberg entfernt. Doch keiner von uns wusste genau, wo er wohnte und das Handynetz war noch immer nicht wiederhergestellt. Wir entschieden uns dagegen. Städte bedeuteten immer mehr Gefahr als die ländlichen Gegenden und wir wollten die Schlurfenden so gut wie möglich vermeiden. In Gedanken schickten wir ihm ein kleines Gebet und fuhren dann an Linz vorbei weiter Richtung Westen. Ivy und Rod hatten sich im Kofferraum ein Nest gebaut und dösten dort vor sich hin. Und je später es wurde, umso müder wurde ich, bis ich schließlich auch einschlief.

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Weihnachtspecial! Der 21.12.2012, wie ich ihn meinen Kindern erzählen werde Teil1

Diese Geschichte habe ich letztes Jahr auf meinem anderen Blog veröffentlicht. Ich werde die nächsten Tage die drei Fortsetzungen posten, wer es nicht erwarten kann, darf gerne bei Frettattack vorbeischauen. Grundsätzlich ist es eine Zombiestory wie jede andere. Ein HIMYM auf Bekkanisch, wenn ihr so wollt.

Es war der 21.12.2012. Keiner von uns dachte, dass es tatsächlich passieren würde. Ich arbeitete damals in einem kleinen Hotel, nicht weit von unserer Wohnung in Wien entfernt und euer Papa war zu Hause am Zeichnen, wie üblich. Auf einmal gingen die Sirenen los und ich sah Polizeiautos am Hotel vorbei fahren. Einer der Wagen blieb stehen und der Polizist kam zu mir an die Rezeption: „Schalten Sie den Feueralarm ein und verriegeln Sie die Tür!“ Verwirrt starrte ich ihn an: „Warum?“ Er war verschwitzt und bleich und ich erinnere mich, dass ich kurz dachte „Jetzt ist es soweit, irgendwer macht doch Krieg.“ Der Polizist hämmerte auf die Theke vor mir: „Machen Sie es und lassen Sie niemanden ins Hotel, verdammt!“ Außer mir war kein Mitarbeiter im Hotel, also ging ich und verschloss hinter dem Polizisten die Tür und löste den Feueralarm aus. Bevor alle Gäste in die Lobby kamen, setzte ich mich an den Computer, um herauszufinden, was los wäre. Die Neugikeiten waren unglaublich: Zombiealarm. Ich trat zweifelnd vom PC zurück. Zombiealarm war etwas, mit dem wohl viele gespaßt aber keiner damit gerechnet hätte. Zombies. Nach allen Scherzen, die wir über die Zombiekalypse gemacht hatten, erschien mir das eher wie ein schlechter Internetscherz als eine Tatsache. Die ersten Gäste kamen und ich musste ihnen mit einem Lächeln sagen, dass die Polizei mich angewiesen hatte, so zu handeln und ich nicht wirklich wusste, was los war. Die Reaktionen waren von wütend bis verzweifelt gefächert und ich konnte nicht mehr tun, als weiter fassungslos das Internet nach Neuigkeiten zu durchforsten.

Was dazwischen geschah ist sehr veschwommen, aber ich erinnere mich noch an die erste vermoderte Hand, die an die Glastüren des Hotel klopfte. Spätestens in diesem Moment musste ich glauben, was ich zuvor gelesen hatte. Leere Augenhöhlen, die zum Fenster herein stierten, stinkendes Fleisch, dass durch die Gasse vor dem Hotel schlurfte. Die Gäste klammerten sich aneinander und erst, als eine Frau aus Großbritannien nach einem Telefon fragte, kam ich auf die Idee, euren Vater anzurufen. Ich stürzte hinter die Rezeption, um an mein Handy zu kommen und ich beobachtete aus dem Augenwinkel einige Gäste, die sich auf die Bar stürtzen, um noch einen letzten Drink zu nehmen. Ich ignorierte sie und rief den damaligen LAP an. Ich war froh, als er sich meldete:

„Schatz? Gottseidank rufst du an!“

„Ach du Scheiße, ich bin so froh, dass ich dich erreiche!“

„Ich auch! Die Leitung war schon die ganze Zeit wie tot.“

„Was ist bei dir los?“

„Nicht viel, die Vordertüre ist versperrt, die Hausbesorgerin hat große Möbel zusammengesammelt und wir haben den ersten Stock geräumt. Da unten ist alles dicht.“

„Dann geht es euch besser wie mir. Moment!“ Ich winkte ein paar Gäste zu mir und bat sie, die riesigen Couchen aus der Lobby vor die Türe zu tragen. An sowas hatte ich bisher nicht gedacht.

„Ich habe jetzt auch die Tür verbarikadiert. Bei uns ist es schrecklich, die wanken durch die Gasse und die Gäste drehen durch. Was sollen wir nur tun?“

„Ziel auf den Schädel.“

„Was?“

„Schatz, ziel auf den Schädel. Das kommt in jedem Film vor. Wenn du einen Zombieschädel zerstörst, dann ist er tot.“

„Aber… aber… Es kommt doch sicher die Armee und die Polizei!“

„Geliebtes Wesen, glaub mir, unsere Truppenstärke packt das in Wien nicht. Die schaffen vielleicht einen Teil, aber wenn die bei dir rein kommen, dann musst du auf den Schädel zielen…“

„Okay. Gut. Ich such mir eine Waffe… Der Tacker wirds wohl kaum bringen, oder?“

„Such dir einen Schläger.“

„Ja, ich werde die Gäste bewaffnen… Das ist alles so surreal.“

„Das ist es. Ich treffe dich, sobald es geht…“

„Ruf meine Eltern an“

„Ja, mach ich.“

„Ich liebe dich.“

„Ich dich auch, mein Schatz. Überlebe.“

„Werde ich.“

Damit legte ich auf und ging in den Keller, um Waffen zu finden. Ich fand ein paar Rohre, Hölzer und Kübel. Ein klischeehafter Baseballschläger oder eine Pumpgun wären mir angesichts der Umstände lieber gewesen, aber man musste nehmen, was man kriegt. Ich verteilte die Schläger an die Männer und sammelte die verängstigten Frauen im vierten Stock, wo es sicherer war als im Erdgeschoss. Sie trösteten sich gegenseitig und zwei, drei der Frauen wollten mit mir zurück zu den Männern gehen um den Horden draußen die Stirn zu bieten. Es ist schwer, nett, freundlich und hilfsbereit zu sein, wenn Zombies vor der Türe randalieren, also warf ich den anderen Mädels die Rohre aus dem Keller zu und wir gingen wieder in die Lobby. Das Internet war inzwischen so überlastet, dass ich kaum mehr etwas herausfinden konnte. Ich weiß noch, dass ich Nachrichten an alle Freunde verschickte, dass sie sich verteidigen sollten, so gut es geht und ich so bald wie möglich zurück nach Vorarlberg kommen würde. Dann ließ ich den Computer Computer sein und besprach unsere Strategie mit den Gästen. Seltsamerweise sahen sie mich als ihre Anführerin an, eine Rolle, in der ich mich garnicht wohl fühlte.

Ich sah mich um. Im Hotel waren Gäste aus Russland, Deutschland, Schweizer, Italiener, Briten, Amerikaner und natürlich Österreicher. Die Masse war übersichtlich, da ich in einem, wie gesagt, sehr kleinen Hotel arbeitete. Teilweise waren einige schon angetrunken und nicht mehr zu gebrauchen, andere waren hoch motiviert und standen vor der mit Couchen zugemauerten Tür. Es war schwer, eine Kampftruppe daraus zu schustern, aber es wurde von mir erwartet.

„Okay.“ Seltsamerweise reichte es, dass ich vor die Gäste trat, damit sie mir zu hörten. „Da Sie alle denken, dass ich weiß, was zu tun ist, werden wir uns wohl darauf verlassen müssen… Da draußen sind Zombies oder so etwas ähnliches und sie wollen zu uns herein. Und das will wohl keiner von uns. Also. Die Mädels sind im vierten Stock gut untergebracht, nach da nach oben kommen sie nicht so leicht. Wir sind hier die vorderste Front und wenn wir uns diese Dinger da draußen ansehen,  sind die offensichtlich nicht sehr schlau, also sollten wir darauf bauen, dass unsere Barrikade hält. Wenn nicht, dann zielen wir auf ihre Schädel. Sollte wer gebissen werden, dann ist er verloren. Diese Daten habe ich aus Filmen, also bin ich nicht sicher ob es stimmt, aber es ist besser, wir gehen auf Nummer sicher, bevor wir Risiken eingehen. Soweit wir bisher wissen, sind wir in akuter Gefahr, also halten wir zusammen!“ Während ich sprach beobachtete ich eine Deutsche, wie sie für die Russen, Italiener, Briten und Amerikaner auf Englisch simultan übersetzte und ich nickte ihr dankbar zu. Mir war klar, dass ich keine großartige Ansprache gehalten hatte, aber es war alles, was ich in der gegenwärtigen Situation zusammenbringen konnte. Die Gäste nickten mir zu und ich atmete zum ersten Mal seit der Begegnung mit dem Polizisten bewusst aus. In meinem Kopf ging alles wild durcheinander und ich nahm mir eine Minute um meine Gedanken zu ordnen. Es nutzte nichts. Ich ging auf die Toilette und war ein wenig überrascht, dass die Wasserversorgung einwandfrei funktionierte. Ich wusch mir das Gesicht mit kaltem Wasser. Ich ignorierte mein verschmiertes Makeup und ging zurück in die Lobby. Dort war in der Bar noch eine unberührte Flasche Whiskey und ich nahm sie aus dem Glasregal. Dann stellte ich mich auf die Marmortreppe, die zur Eingangstür führte und öffnete sie. Ich hörte die rauen Rufe der Zombies vor der Tür und ich sah die kampfbereiten Gesichter der Männer, die davor standen. „Auf das Leben!“ Dann setzte ich die Flasche an, trank einen kleine Schluck und lies sie danach herum gehen. Ich bereute es ein wenig, aber es war das, was meine Kriegertruppe brauchte. Was sonst hätte ich in dieser Situation tun sollen?

Und dann geschah das Unglaubliche. Gegenüber der Eingangstür war die Hoftür bisher komplett unbeachtet geblieben. Der Hof des Hotels teilte sich mit dem Hof eine Wohnhauses und ich hatte den Fehler gemacht, zu denken, dass er sicher war. Das war er nicht. Mein Fehler wurde mit vielen Leben bezahlt. Es war neun Uhr abends und ich rechnete nicht damit, dass der Nachtportier mich ablösen würde. Es war kein Klopfen mehr, sondern die Türe wurde einfach so aufgestoßen. Ohne einen Widerstand kamen sie herein. Offenbar war das Haus auf der anderen Seite des Hofes nicht so gut gesichert und die Untoten kamen durch den Hof in das Hotel. Alles ging so schnell, dass wir nicht reagieren konnten. Es waren nur fünf oder sechs von den Schlurfendend, aber wir reagierten falsch. Während sie sich auf die Gäste stürzen, stand ich nur zitternd mit einer leeren Flasche da. Ich hatte alle Waffen den Männern und Frauen gegeben, die uns verteidigen wollten und mir blieb nur die leere Aperolflasche, die im Eis an der Bar schwamm. Sehend, wie sich Zombies und Gäste schlugen verzog ich mich feige in das Büro meines Chefs, zerdepperte die Flasche auf einem Zombiekopf und sperrte mich dort ein. Während ich die Schreie der Gäste und das Gestöhne der Zombies hörte versuchte ich mich zu konzentrieren. Ich versuchte mich davon zu überzeugen, dass ich nicht aus Egoismus gehandelt hatte, sondern dass es nicht anders gegangen wäre. Ich versuche, es objektiv zu sehen und ich versuche nicht daran zu denken, dass auf der anderen Seite der Türe Leute versuchten zu übereben. Ich wollte nicht einsehen, dass ich sie in den Tod geschickt hatte.

Aber vor allem machte ich mir Sorgen um euren Vater. Und um eure Großeltern. Und um eure Onkel und Tanten, um Onkel DerbesteFreundeuresVaters und um DasSchönstePärchenimLändle und um meine beste Freundin, die viel mehr auf dem Kasten hatte, wie ich dachte…

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Eintrag 14: Weihnachtsgeschäft und Buchpreisbindung

Hach, die Adventszeit… Die Lüfte duften nach Schnee und Zimt, die Nächte sind voller Licht und Besinnlichkeit und Ruhe kehrt in die Herzen ein. Wien liegt im grauen Winterdunst und die Kälte wird vom Wind unter den Mantel geblasen.

Im Handel allerdings spielt sich wie üblich die Schlacht um die besten Geschenke ab. Hartlauer lockt mit seiner Schneewette und die Angebote werden immer dreister. Vor allem Thalia hat sich dieses Jahr wieder ein Schmankerl überlegt: Zwei Wochen vor Weihnachten bietet Österreichs Buchkette folgendes an: „-10% Online-Gutschein für Ihre Weihnachtseinkäufe einlösen!“ Na Hurra! denkt sich der Kunde und bestellt entspannt bei Thalia online, um sich den Stress im Laden zu ersparen. Lieferkosten werden einem von Thalia ja auch geschenkt und man bekommt bequem die (wenn gewünscht auch noch verpackten) Geschenke an die Wohnungstür geliefert. Wie praktisch!

Weniger praktisch und schon gar nicht entspannt ist das ganze allerdings, wenn man als kleine Buchhandlung dabei zusehen muss, wie sich die geliebten Kunden lieber zurücklehnen und dann die 10% Rabatt genießen. Da klingelt es in den Ohren, und das nicht von Weihnachtsglöckchen: Buchpreisbindung!!
Während die Riesenkette offenbar noch nie davon gehört hat, hält sich der kleine brave Buchhändler daran, darf er doch höchstens 5% Rabatt geben und das auch nur im persönlichen Gespräch mit Kunden, ohne es zu bewerben. Wie also erklären Herr und Frau Buchhändler ihren Kunden, dass es besser ist, stationär zu kaufen anstatt online, wenn doch stationär abgesehen vom Anfahrtsweg auch noch die Bücher um 10% teurer sind als beim bequemen Onlinehandel? Selbst die beste Beratung, die heimeligste Atmosphäre und die nettesten Händler haben gegen diesen eindeutigen Wettbewerbsbetrug wenig Chancen.
Ich persönlich würde gerne mit Plakaten vor Thalia Stellung beziehen und den fleißigen Einkäufern flüstern, was der Riese mit den Kleinen macht. Am besten gemeinsam mit vielen anderen kleinen Buchhändlern… Allerdings, und das ist schön zu hören, müssen die in ihren Läden stehen. Denn ganz hat es Thalia noch nicht geschafft, der kleinen, gemütlichen Buchhandlung die Kunden weg zu nehmen.
So bleibt es zu hoffen, dass der Hauptverband der Buchhändler hellhörig wird und reagiert. Denn auch wenn das Weihnachtsgeschäft im Buchhandel eine stressige Zeit ist, wie in fast allen anderen Branchen ist es doch die einträglichste Zeit im Jahr.

In diesem Sinne: Schöne Weihnachtszeit!

Winterzeit in Wien

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Eintrag 13: Schülerführung über die BuchWien

Gut, ich gebe zu, meine Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Es war nicht ganz so furchtbar, wie ich es mir gestern noch ausgemalt habe. Trotzdem wäre ich froh, wenn mir dieses Theater nächstes Jahr erspart bleibt. Ehrlich.

Und zwar durften wir als Lehrlinge der Buch- und Medienwirtschaft Schüler von zehn bis zwanzig (obwohl ich keine über achtzehn heute gesehen habe) durch die BuchWien führen. „Wunderbar!“ denkt sich da das Verlegerherz, „Wir motivieren Schüler zum Lesen!“ Jeder der einmal mit Schülern dieser Altersgruppe gearbeitet hat darf jetzt hämisch grinsen. Logisch ist doch, dass man die heutige Smartphonegeneration nicht mehr mit ein paar Papierseiten oder Verlagsgeschichten beeindrucken kann.

Die erste Gruppe, die wir durch die Messe geführt haben (natürlich mit einer Kollegin, kann man mir doch nicht zehn 14jährige anvertrauen) war noch eine der besten. Der Großteil liest gerne und sie ließen sich auch wirklich beeindrucken und hörten auch gerne den Verlegern zu. Mit denen konnte sogar ich etwas anfangen und so hatten wir nach knappen 40 Minuten die Tour abgeschlossen und die Kiddies waren glücklich, so wie wir.

Die zweite Gruppe dagegen war eher anstrengend. Neun Jungs und ein Mädel (das Negativ zu unserer Berufsschulklasse) durften wir wie beim Almabtrieb durch das sowieso schon volle Messegelände treiben. Da ich als letzte ging, durfte ich diese üblichen Nachzügler ertragen, einer davon der Klassenclown. Aussagen wie „Was soll ich den überhaupt mit Büchern?“ und ähnliche natürlich gratis inkludiert. Beim ersten Verleger verdreht der Herr die Augen und beginnt mit seinem Nebenmann ein Gespräch über die tollen körperlichen Vorzüge jüngerer Passantinnen. Schweigend drehe ich mich zu ihm, starre ihm in die Augen (die wohl zwanzig Zentimeter über meinen liegen) und lächle: „Dir wär‘ weniger langweilig, wenn du zuhören würdest.“ Natürlich kriege ich ein freches Grinsen zurück, was habe ich denn erwartet? „Hah, wen interessiert den das, außerdem hör ich eh nix…“ Schweigen, ich hebe eine Augenbraue und drehe mich zum Verleger. Der Junge hat Recht, man muss sich echt konzentrieren um was zu verstehen. Ich höre wie das Geplapper wieder los geht, also pschte ich ihn an und starre gefühlte Stunden lang in sein Gesicht. Ich will nicht wegsehen, vielleicht denkt er dann, dass er überlegen ist, also starre ich weiter. Er beginnt zu grinsen, verlegen, merkt, dass ich nicht darauf eingehe und ist ruhig. Für den Rest der Tour. Gottseidank.

Am Ende lässt sich nur noch sagen, dass ich nicht mit Jugendlichen kann. Ich werde wohl einer dieser Eltern sein, die dann mit „zu meiner Zeit war das nicht so“ argumentieren und sich dabei auch noch schlau vorkommen… Naja, wir werden sehen. Bis dahin werde ich den Kontakt mit Pubertierenden versuchen weitgehenst zu vermeiden.

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